Der Komet Wirtanen als himmlisches Weihnachtsgeschenk

Mal wieder geistert ein Komet durch die Medien. Nicht, weil mal wieder etwas mit der Erde kollidieren soll, diese grausame Rolle überlassen die Medien lieber den Asteroiden. Dass der Komet so durch die Presse geht, liegt bestimmt auch daran, dass bald Weihnachten ist und man da einfach gerne einen Kometen am Himmel wissen will.

Faszinierend und auch ein wenig besonders ist der Besucher aber schon. Wirtanen — oder genauer 46P/Wirtanen — heißt der „Weihnachtskomet“. Er gehört zu den kurzperiodischen Kometen der Jupiter-Familie. In seinem Fall heißt das, er braucht etwa 5,4 Jahre, um einmal die Sonne zu umkreisen.

Ursprüngliches Ziel der Rosetta-Sonde

Wirtanen, Wirtanen … kennt man den Namen nicht irgendwo her? Ja, könnte man. Der Komet 46P/Wirtanen war das ursprüngliche Ziel der Rosetta-Mission der ESA. Doch als eine Rakete des Ariane-5-Programms beim Start explodierte, wurde der Start der Rosetta-Sonde um ein Jahr verschoben. Das veränderte Startfenster machte es nötig, einen anderen Kometen anzufliegen. Als neues Ziel wurde 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ausgewählt — ein Komet, dessen Name leider nicht so leicht auszusprechen war wie Wirtanen.

Kosmische Wasserschleuder

2×1028 Wassermoleküle pro Sekunde soll Wirtanen zu Spitzenzeiten — kurz nach der größten Annäherung an die Sonne, dem Perihel — ausstoßen. Das entspricht mit ein wenig Milchmädchenrechnung rund 600 Litern Wasser pro Sekunde. Oder 2,1 Millionen Liter Wasser pro Stunde, was einem nicht ganz gefüllten olympischem Sportschwimmbecken entspricht. Kurz: Eine Menge Wasser! Auch sonst gilt Wirtanen als „produktiv“ was seinen Materieausstoß angeht, er zählt zu den hyperaktiven Kometen.

Am 16. Dezember 2018 erreicht 46P/Wirtanen seinen erdnähsten Punkt. Screenshot: JPL Small-Body Database Browser

Das Perihel erreicht Wirtanen diesmal am 12. Dezember 2018. Seinen erdnächsten Punkt des Orbits um die Sonne erreicht der Komet vier Tage später, am 16. Dezember 2018. In etwa 11,6 Millionen Kilometern Entfernung zieht er an der Erde vorbei.

Gute Bedingungen für gute Beobachtung

46P/Wirtanen beobachtete mit dem Slooh-Canary-One-Telescope am 1. Dezember 2018.
46P/Wirtanen beobachtete mit dem Slooh-Canary-One-Telescope am 1. Dezember 2018.

Definitiv weit genug weg von uns, aber doch nah genug, um ihm am Himmel mit freiem Auge sehen zu können. Denn bei Wirtanen passt einiges ganz gut zusammen. Er gehört zu den hyperaktiven Kometen und zieht kurz nach seinem Perihel relativ nah an der Erde.

Bei gutem Wetter könnte also ein paar Wochen lang ein hübscher verwaschener Fleck am Himmel stehen. Den Schweif des Kometen wird man vermutlich — in der Wirtanen-Beobachtung wird viel Überraschung stecken — nur mit einem Teleskop zu sehen sein. Ein Besuch einer Sternwarte könnte da ein schönes Weihnachtsgeschenk sein!

Wobei es auch jetzt schon Spaß macht, den Kometen mit dem Teleskop zu verfolgen — oder wie in meinem Fall faul vom Sofa aus mit einem der Slooh-Remote-Teleskope auf Teneriffa.

Danke, Stephen Hawking

Stephen Hawking genießt 2007 die Schwerelosigkeit während eines Fluges an Bord einer modifizierten Boeing 727. Credits: NASA /Public Domain

Es wurden an diesem Tag schon viele schlaue und weniger schlaue Worte über Stephen Hawking gesagt und geschrieben.

Am 14. März 2018 ist dieser beeindruckende Mensch und Wissenschaftler gestorben — ausgerechtet am Pi-Tag und dem Geburtstag Albert Einsteins. Er war eine Inspiration für viele Menschen, auch für mich.

Danke Stephen Hawking, ich werde neugierig bleiben. Versprochen.

Google Space Maps – Monde und Planeten mit der Maus erkunden

Weißen Flecken auf der Oberfläche der Erde gibt es bei Google Maps kaum noch. Und jetzt sind auch etliche Löcher im Sonnensystem gestopft wurde.

Jupiter-Mond Io in Google Maps Space. Screenshot: Google Maps Space

Schon seit vielen Jahren kann man in Google Maps den Erdmond und unseren Nachbarplaneten Mars erkunden. Nun wurde das Weltraum-Programm mit Google Maps Space ordentlich erweitert. Die restlichen Gesteinsplaneten Merkur und Venus sind nun dabei, der größte Asteroid Ceres und der Ex- und nun Kleinplanet Pluto auch. Mit Io, Europa und Ganymed kann man die Karten von drei der vier galileischen Monde des Jupiter mit der Maus rotieren. Die Saturnmonde Mimas, Enceladus, Dione, Rhea, Titan und Iapetus sind in all ihrer von der Cassini-Sonde fotografierten Pracht mit der Maus zu zoomen und zu klicken.

Der Saturn-Mond Titan. Screenshot: Google Maps Space

Ein Auflösungswunder darf man nun nicht erwarten. Sind beim irdischen Google Maps selbst Autos oder noch kleinere Strukturen zu erkennen, sind die von den Raumsonden geschossenen Fotos doch deutlich gröber. Im Google-Blog wird der Astronomie-Künstler Björn Jónsson (möglicherweise diese) erwähnt, der wohl verantwortlich dafür war, die einzelnen Fotos der Himmelskörper zusammenzusetzen, Übergänge zu schaffen und leere Flecken kreativ und sinnvoll auszufüllen.

Ein paar Fehler haben die Karten am Anfang — und eventuell auch jetzt noch. Doch ein paar wurden schon behoben.

Es macht schon Spaß und hat eine gewisse Faszination, sich selbst mit der Maus durch das Sonnensystem zu klicken. Wobei es sehr beim Klicken bleibt, die Informationen, die man über die Himmelskörper erhält, sind noch recht dürftig. Aber Google Maps Space ist gerade erst gestartet, da ist noch viel Luft nach oben. Naja, Luft vielleicht nicht so viel, aber zumindest viel Raum.

Waldbrand stört Suche nach Außerirdischen

So werden die Außerirdischen nie gefunden.

Der Domain-Name-Services-Server (DNS) des Projekts SETI@home am Institut für Weltraumforschung (SSL) der Berkeley-Universität in den USA funktioniert seit etwa einem Tag nicht mehr so richtig.

Normalerweise wäre das kein Problem, dort arbeiten eine Menge schlaue Leute, die den DNS-Server wieder zum Laufen bekommen können. Doch die wurden sicherheitshalber aus dem Gebäude evakuiert, da in dem Gebiet Waldbrände lodern.

https://twitter.com/dwcssl/status/892864940431654912

Zumindest könnte es Probleme in der nächsten Zeit für alle Teilnehmer am SETI@home-Projekt geben. Alles, was mit E-Mail auf dem @SETI@home-Server passiert, geht gerade nicht. Und unter Umständen könnten auch die Teilnehmer Schwierigkeiten bkommen, die ihre Rechenergebnisse vom heimischen Rechner auf den zentralen Server übermitteln wollen. Aber Hauptsache, den SSL-Mitarbeitern ist nicht passiert.

Quelle: Mail problems and fire near SSL.

Es ist nie zu spät für eine Sonnenfinsternis, nur oft zu weit

Die Kollegen der Washington Post haben ein wunderschönes Stück Datenjournalismus zum Thema totale Sonnenfinsternisse abgeliefert.

Wenn man sein Geburtsjahr eingibt, wird angezeigt, wie viele totale Sonnenfinsternisse ich auf der Erde erleben kann, würde ich hundert Jahre alt werden. Ich habe noch 35 Mal die Gelegenheit, mir eine „Total Eclipse“ anzuschauen — viele davon sind in Afrika zu sehen und eine im Meer.
Rätselfrage: In welchem Jahr bin ich also geboren? 😉

Die Washington Post visualisiert das sehr schon mit einen dreidimensionalen Erdball, den man drehen kann. Und dazu gibt es noch etliche nette geografische Zahlenspielereien rund um die Sonnenfinsternisse, allerdings die dann — leider, aber verständlich — nur auf die USA bezogen.

Die Sonnenfinsternis-Brille wieder herauskramen

Eigentlich sollte ich mir das Erlebnis einer totalen Sonnenfinsternis gönnen, nachdem ich von der über Deutschland in Jahr 1999 wie die meisten Menschen hier fast nichts mitbekommen habe — den Wolken sei kein Dank dafür.

Wenn ich ein wenig krame, finde ich vielleicht auch noch meine Sofi-Brille, die Sonnenfinsternisbrille, die die Augen bei der Himmelsbeobachtung schützen soll. Und zu der hab ich ein besonderes Verhältnis, wurde sie doch — schon ein paar Jahre vor der 1999er-Finsternis — von einem Tüftler aus meiner Heimatstadt Würzburg erfunden. 17 Millionen Brillen wurden damals verkauft — eine davon an mich.

Screenshot Headerbild: Washington Post, skalliert und beschnitten

Überraschung auf dem Schreibtisch

Überraschung gestern bei der Arbeit — auf meinem Schreibtisch am Newsdesk lag ein großes dünnes Päckchen. Adressiert an meinem Namen und an den Verlag, bei dem ich arbeite. Absender war die Europäische Südsternwarte ESO, aus der Zentrale in Garching — für mich in Würzburg ist das ja auch schon im Süden. 🙂

Der Kalender der Europäischen Südsternwarte (ESO) für das Jahr 2018.
Der Kalender der Europäischen Südsternwarte (ESO) für das Jahr 2018.

Im Päckchen war der Kalender der ESO-Kalender für 2018 mit Bildern von Sternen, Nebeln und Galaxien, von Teleskopen in Chile wie dem La-Silla-Observatorium oder ALMA und Visualisierungen vom Extremely Large Telescope (ELT), das gerade gebaut wird.

Keine Ahnung, wie die ESO an meine Adresse im Verlag gekommen ist (die zumindest halbwegs richtig war), aber dass sie mir überhaupt den Kalender geschickt haben, lag vermutlich an dem Tweet, den ich vor ein paar Wochen gepostet habe. 🙂

Aber Danke, liebe ESO, ich habe mich sehr über den Kalender gefreut. 🙂

ESA-Pressekonferenz – mit meiner Beteiligung

Ja, ich gebe zu, es hat schon was, wenn der eigene Name in der Pressekonferenz der Europäische Weltraumorganisation ESA genannt wird — wenn auch ein wenig seltsam ausgesprochen. 😉

Vor dem „Media Briefing“ des Generaldirektors der ESA, Jan Wörner, konnten Fragen auf Twitter mit dem Hashtag #askESADG gestellt werden. Ich hatte eine zu dem im Dezember abgebrochenen/aufgeschobenen/unfinanzierten Projekts „Asteroid Impact Mission“ (AIM) gestellt.

Wörner beantwortete die Frage auch und erläuterte mehr zum Stand von AIM, zu dem ich dann noch einen eigenen Artikel schreiben werde. Ich fand es vor allem erst mal schon zu erleben, dass die ESA mit solchen Twitter-Aufrufen sich nicht nur ein Social-Media-Mäntelchen umhängt, sondern die Fragen auch ernsthaft behandelt.

Um die AIM-Fragen geht es in der Aufzeichnung des Livestreams etwa ab Minute 79 (1:19) — da kann man auch gleich mit etwas Phantasie meinen Namen Ralf Thees verstehen. 😉

Der Mann, der auf dem Mond das Licht ausgemacht hat, ist tot

Als Eugene Cernan am 14. Dezember 1972 nach etwa drei Tagen und drei Stunden Aufenthalt im Taurus-Littrow-Tal auf dem Mond den Erdtrabanten mit dem Landemodul Challenger wieder verließ, war er der bis heute letzte Mensch auf einem anderen Himmelskörper.

Der Kommandant der Apollo-17-Mission ist nun am 16. Januar 2017 im Alter von 82 Jahren gestorben. Damit leben von den zwölf Menschen, die auf dem Mond waren, noch die Hälfte: Buzz Aldrin, Alan Bean, David Scott, John Young, Charles Duke und Harrison Schmitt.

Neue Missionen für Landungen — oder sogar dauerhafte Stationen — auf dem Mond sind immer wieder mal im Gespräch, aber so richtig kommen die Projekte wie Aurora (ESA) oder Orion-MPCV (NASA) in Sachen bemannte Mondlandungen nicht in die Gänge.

Eugene „Gene“ Cernan verließ den Mond mit den Worten:

„And, as we leave the Moon at Taurus-Littrow, we leave as we came and, God willing, as we shall return, with peace and hope for all mankind.“ —Eugene Cernan, Apollo 17

„Und nun, da wir den Mond bei Taurus-Littrow verlassen, gehen wir, wie wir gekommen sind und — so Gott will — wie wir zurück kommen werden: in Frieden und mit Hoffnung für die gesamte Menschheit.“

Eugene Cernan am 11. Dezemeber 1972 bei beim kurzen Check des Lunar Rover der Apollo-17-Mission.
Eugene Cernan am 11. Dezemeber 1972 bei beim kurzen Check des Lunar Rover der Apollo-17-Mission. Foto: NASA

Cernan saß bereits 1969 in einer Mondlandefähre, die gehörte zur Apollo-10-Mission, hörte auf den Namen Snoopy — und umkreiste als Test nur der Mond. Zum Trost stellte die Apollo-Kapsel auf dem Rückflug beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre den nach wie vor gültigen Geschwindigkeitsrekord von 39897 km/h.

Mit 22 Stunden und knapp 4 Minuten war Eugene Cernan zusammen mit seinem Kollegen Harrison Schmitt am längsten im Außeneinsatz (EVA) auf dem Mond unterwegs, dreimal waren sie draußen, wovon der längste Einsatz 7 Stunden und 36 Minuten dauerte.

Auch haben die beiden am meisten Mondgestein gesammelt (110,4 Kilogramm, knapp ein Drittel des gesamten von Apollo-Astronauten zur Erde gebrachten Gesteins), und legten die längste Stecke mit dem Mondauto zurück (34 Kilometer).

Überlassen wir zum Schluss das Wort Gene und Harrison …

Headerbild: Apollo-17-Astronaut Eugene Cernan am 14. Dezember 1972 nach dem Verlassen der Mondoberfläche im Landemodul Challenger. Foto: NASA/Harrison Schmitt

Wie super ist der Supermond? Nicht sehr!

Ich freue mich ja immer, wenn es astronomische Themen auch in die „normalen“ Medien schaffen. Weniger freut mich, dass die es sich dabei oft um gemachte Sensationsnachrichten handelt.

Seit ein paar Jahren geistert der  Begriff „Supermond“ oder „Supervollmond“ durch die Medien, wenn sich der Erdtrabant mal wieder der Erde genähert hat und die Zeitungen und Nachrichtenseiten voll mit tollen Bildern von enorm großen Monden sind — vieles hat Photoshop möglich gemacht.  So auch am 14. November 2016, als der Mond auf 356 509 Kilometer an die Erde heranrückte, so nah wie schon seit dem 26. Januar 1948 nicht mehr und erst am 25. November 2034 wieder.

Das stimmt so weit auch. Der Mond wirkt natürlich — auch bedingt durch ein paar andere Effekte — wirklich größer am Himmel, wenn am erdnähsten Punkt seines Umlaufs um die Erde ist (Perigäum). Aber das Wort „Super“ halte ich für etwas übertrieben, wenn man im Blick hat, dass im Monat zuvor der erdnähste Punkt nur gut 1000 Kilometer weiter weg war — und im April diesen Jahres nur 658 Kilometer.

Natürlich darf man sich über jedes Perigäum des Mondes freuen, gerade weil sich der Trabant ja im jedem Jahr etwa 3,8 Zentimeter von der Erde entfernt, der Gezeitenwirkung sei Dank.

Also: Man erfreue ich an jeder Näherung des Mondes, die man am Himmel erleben darf. Aber man muss deswegen nicht gleich in übertriebene Euphorie verfallen und das Wort „Super“ missbrauchen.

Außerdem: Wenn schon, dann hätte ich auf gerne mal einen Erd-„Minimond“ auf den Titelblättern! 😉

Update: Auch Florian Freistetter hält nicht viel von dem Medienhype.

Die „Crazy Apes“ – Josef Gaßner im TEDx-Talk

Nachdem politisch die Welt immer mehr durchdreht, wie heute die Wahlergebnisse in den USA wieder einmal gezeigt haben, sollte man sich den TEDx-Talk von Josef Gaßner mal anschauen — um wieder runterzukommen.

„Wir Menschen müssen lernen, uns selbst nicht zu wichtig zu nehmen“, sagt Gaßner in dem Vortrag. Unser Hirn brauche ein Software-Update, damit sich die Menschheit — die verrückten Affen — nicht zu Tode zu expandiert und kooperativ auf dem wundervollen Planeten leben und ihn schützen kann. „Wir können keine Bienen drucken. Und wir können auch kein Leben drucken.“

Links zum TEDx-Talk:

Sterne, Galaxien und die Raumfahrt